Anna-Catrina Walt
übernimmt neu das Präsidentenamt des Sportvereins Wildhaus - Alt St.Johann.
Barbara Soreia Wojak
Vielleicht ist Karneval nicht die Zeit, in der wir uns verkleiden – sondern die einzige, in der wir uns kurz erlauben, wir selbst zu sein.
Februar. Karneval. Fünfte Jah-reszeit. Offiziell: «Helau» und «Alaaf». Inoffiziell: Ausnahmezustand. Und ganz ehrlich: Ich liebe es. Nicht unbedingt den Teil mit dem Alkohol, dem völligen Kontrollverlust und dem nächsten Morgen, an dem man sich fragt, ob man sich aus Versehen selbst gekidnappt hat. Sondern den eigentlichen Zauber dahinter. Denn Karneval ist nicht einfach nur Verkleidung. Karneval ist Iden-titäts-Sprengstoff. Mit Glitzer obendrauf. Mal ehrlich: Warum verkleiden wir uns überhaupt? Warum reicht es nicht, in Jeans rumzulaufen, um einfach zu sein? Und noch spannender: Warum wählen wir ausgerechnet diese Rollen? Königinnen. Piraten. Clowns. Bienen. Cowboys. Als Kind hatte ich genau zwei Kostüme: Prinzessin und Indianerin. Nicht besonders kreativ, aber dafür sehr eindeutig. Prinzessin hiess für mich: Krone auf, Welt in Ordnung. Würde. Respekt. Gesehen werden. Ein Leben, in dem man nicht um alles bitten muss, sondern selbstverständlich sein darf. Die Indianerin war die andere Seite von mir. Wild. Frei. Unbeirrbar. Instinkt statt Erziehung. Natur statt Anpassung. Weniger «Darf ich?» und mehr «Ich mach das jetzt.» Heute frage ich mich: War das wirklich nur ein Spiel? Oder war das meine Seele, die mir schon damals leise zugeflüstert hat: Schau hin. Das bist auch du. Denn was passiert, wenn wir eine Maske aufsetzen? Wir werden mutiger. Freier. Lauter. Wir sprengen Grenzen, die uns nie wirklich gehört haben. Vielleicht liegt das Unbequeme nicht im Kostüm – sondern darin, wie viel Wahrheit darin steckt. Ein Pirat sagt: «Ich folge nicht mehr den Regeln, die mich klein halten. Ich hol mir mein Leben zurück.» Ein Clown sagt: «Ich darf scheitern, ich darf albern sein, ich darf unperfekt sein – und ich bin trotzdem liebenswert.» Biene Maja sagt: «Ich bin neugierig. Ich gehe meinen eigenen Weg. «Ich passe nicht rein, weil ich für etwas Grösseres gemacht bin.» Und ein Cowboy sagt: «Ich gehe meinen Weg. Auch wenn er einsam ist. Und ich vertraue mir.» Vielleicht wählen Kinder ihre Kostüme deshalb so klar – und wir Erwachsene vergessen im Laufe der Generationen, wie ehrlich diese Wahl einmal war. Und jetzt stell dir mal vor, du würdest dich dieses Jahr ganz bewusst fragen: Wählst du dein Kostüm – oder lässt du dich von dem Teil in dir finden, der endlich gesehen werden will? Vielleicht ist Karneval nicht die fünfte Jahreszeit. Vielleicht ist es ein kleines Portal. Ein kurzer Riss im System. Ein Moment, in dem wir spüren: Da ist mehr in mir. Und vielleicht ist die eigentliche Magie nicht das Kostüm. Sondern der Mut, es irgendwann nicht mehr auszuziehen. Was wäre, wenn du ganz ehrlich hinschaust: Welches Kostüm trägst du an Karneval – und welches trägst du den Rest des Jahres?
⋌Barbara Soreia Wojak
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