Miss Helvetia
tritt am 16. Oktober mit ihrem neuen Album im Dömli in Ebnat-Kappel auf.
Barbara S. Wojak
Vor vielen Jahren erzählte mir eine Freundin etwas, das ich nie vergessen habe. Sie fuhr mit ihrem fünfjährigen Sohn im Auto, als er plötzlich sagte: «Mama, schau mal diese schöne Frau. Die ist so glücklich.» Diese Frau war ich.
Minirock, hochhackige Stiefel, auffällig unterwegs. Man könnte meinen, genau das hätte seine Aufmerksamkeit geweckt. Aber nein. Er sagte nicht: «Schau mal die Stiefel.» Er sagte: «Die ist so glücklich.» Woher wusste dieser fünfjährige Junge das?
Vielleicht, weil er noch etwas konnte, was wir Erwachsenen irgendwann verlernt haben: Hinsehen. Er hatte noch nicht gelernt, zuerst die Verpackung zu beurteilen. Er hat etwas Wesentliches wahrgenommen.
Genau zu dieser Zeit war ich unglaublich bei mir. Menschen fragten mich, ob ich frisch verliebt sei. Nein. Ich war einfach mit mir im Reinen. Absolut bei mir. Wenn wir wirklich bei uns sind, beginnen wir zu leuchten. Nennen wir es heute einfach mal Glühwürmchenmodus. Schon sehe ich einige die Augen verdrehen: Jetzt kommt die türkisfarbene Frau auch noch mit Glühwürmchen. Ja. Bleib kurz bei mir.
Ein Glühwürmchen leuchtet. Es fragt das andere nicht nach Religion, Kontostand oder danach, ob sein Licht heller oder dunkler ist. Stell dir einen ganzen Wald voller Glühwürmchen vor. Ein Glühwürmchen macht Licht. Viele bringen einen ganzen Wald zum Leuchten. Vielleicht ist genau das Gemeinschaft. Nicht alle gleich machen, sondern jeden in seinem eigenen Licht leuchten. Gleichberechtigung. Das Wort sagt doch schon alles: gleich berechtigt. Nicht gleich angezogen. Nicht gleicher Meinung. Nicht gleiche Lebensweise. Zwei verschiedene Socken und ein schillernder Hut? Warum nicht?
Könnte Sozialkompetenz nicht genau dort beginnen: darin, dass wir einander sein lassen können? Haben wir nicht lange genug gegeneinander gespielt? Ganz ehrlich, wird es nicht langsam langweilig? Denn bevor wir Frau oder Mann, arm oder reich, Schweizer oder Deutsche, Christ oder Muslim sind, sind wir etwas anderes. Mensch. Lebewesen.
Vielleicht dürfen wir wieder Hin-sehen. Hinhören. Wahrnehmen. Was wäre, wenn wir aufhören, uns in Unterschiede zu sortieren, und wieder beginnen, gemeinsam zu leuchten?
Barbara Soreia Wojak, Mentorin für Selbstermächtigung & innere Führung
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