Barbara Soreia Wojak
vergleicht die Menschen in ihrer Kolumne mit einem Boiler.
Martin Sailer (r.) nimmt den Wanderpreis und die Glückwünsche von Renato Truniger (l.) Christa Roth und Thomas Freydl entgegen.
In der Talstation der Iltiosbahn in Unterwasser fand die Übergabe des Wanderpreises von Kultur Toggenburg statt. Die letztjährigen Gewinner haben diesen an Martin Sailer vom Kleintheater Zeltainer weiter-gegeben.
Unterwasser Seit 2014 zeichnet Kultur Toggenburg Persönlichkeiten oder Gruppen aus, die Bewegung ins hiesige Kulturleben bringen. Die Ehrung besteht neben einem Preisgeld in Höhe von 5000 Franken aus dem Wanderstock sowie einer kleinen Feier, an welcher der letztjährige Preisträger den Stab weitergibt. Wer ihn erhält, bestimmt jeweils der vorherige Preisträger: Voraussetzung ist die Vergabe in eine andere Gemeinde und eine andere Kunstsparte. Ende April war es wieder so weit: Der Wanderstock wurde von dem Lichtensteiger Künstlerpaar Christa und Thomas «Fri» Freydl weiter an Martin Sailer gereicht. Renato Truniger, Präsident von Kultur Toggenburg, begrüsste Kunstschaffende aus der Region, Familie und Freunde von Martin Sailer und Weggefährten des alten und zukünftigen Zeltainers im Bahnhof Unterwasser. In der Laudatio, gehalten von dem Journalisten und Kulturmanager Hans Bärtsch aus dem Sarganserland, wurde Sailer als ein Macher beschrieben, der trotz vieler Widrigkeiten und einiger Rückschläge an seiner Idee eines Kleintheaters im Toggenburg festgehalten hat und mit dem Zeltainer eine Institution in der Kulturszene geworden ist.
Vor 23 Jahren startete Martin Sailer in Unterwasser an der Talstation sein mutiges Projekt Zeltainer und entwickelte es immer weiter. Das jeweils halbjährliche Programm war jeweils kunterbunt, wie die Künstlerinnen und Künstler, die in dem Theater auf Zeit auftraten. Eigenproduktionen, Konzerte, Shows, Familienanlässe – bei Martin Sailer hatte alles Platz und Raum, was ihm gefällt und beim Publikum ankommt. Doch damit ist erst einmal Schluss. Der Zeltainer wurde im vergangenen Jahr ein letztes Mal abgebaut und steht jetzt bei neuen Besitzern an einem anderen Ort. Die Idee lebt aber weiter: Am Samstag startet «Zeltainer on tour 2026» – ein Programm, mit verschiedenen Formaten, das man an zehn Orten vom Werdenberg über das Toggenburg erleben kann. Und Martin Sailer arbeitet weiter daran, seine nächste Vision, ein neues festes Theater im Toggenburg, umzusetzen.
Martin Sailer war in den vergangenen Jahren nicht nur Kulturmanager, er war auch Kantonsrat. Und in der Politik hat er sich genauso engagiert wie für die Kultur. Doch damit ist bald Schluss: Nach zehn Jahren übergibt SP-Politiker Martin Sailer sein Amt an seinen Nachfolger Ruedi Bösch. Sailer wird nach der Sommersession ausscheiden. Nach dem Warum befragt, antwortet er, dass zum einen zehn Jahre ein guter Grund sind, um aufzuhören, und zum anderen will er mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen. Die politische Arbeit werde ihm fehlen, versichert er. «Ich habe es sehr gerne gemacht», so Sailer. Die Atmosphäre und Etikette in dem altehrwürdigen Saal in St.Gallen habe er sehr geschätzt. Genau wie die Arbeit in den Kommissionen. Da gehe es um die Sache, verschiedene Meinungen, aber immer auf der Suche nach einem Kompromiss. Das sei mal mehr, mal weniger gut gelungen. Der einzige Toggenburger SP-Kantonsrat stand dabei auch oft auf verlorenem Posten, wie er sagt, aber wenn es um gemeinsame Themen ging, dann habe man parteiübergreifend agiert. Und auch die Zusammenarbeit mit den anderen Toggenburger Kantonsräten hat funktioniert, wenn es um regionale Dinge, wie dem Kanti-Neubau , der Berit Klinik oder den Steinbruch Starkenbach, ging, Die politische Arbeit war dem Obertoggenburger nie langweilig, vielseitig und sie wurde geschätzt. Davon zeugen die guten Resultate, mit denen Sailer immer wieder gewählt wurde. ⋌hem
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