Urs Britt
aus Wattwil hofft, bald mehr Hirsch-Stiere schiessen zu dürfen.
Mit einer Petition fordert Urs Britt aus Wattwil, im Kanton St. Gallen jährlich 300 bis 400 Hirsch-Stiere zusätzlich zu schiessen. Der Jäger sieht den Wald und die Landwirtschaft durch den wachsenden Hirschbestand gefährdet. 439 Unterschriften hat er gesammelt, rund drei Viertel davon stammen aus dem Toggenburg.
Region Seit über 20 Jahren geht Urs Britt auf die Jagd. Die Schäden, welche die Hirsche seiner Ansicht nach in den Wäldern der Region anrichten, beschäftigen ihn zunehmend. Sie würden Jungbäume verbeissen, Baumrinden abschälen und Pflanzen so stark schädigen, dass diese absterben. Besonders die Eiben bereiten ihm Sorgen: «Die Hälfte von ihnen ist kaputt», sagt Britt. Er ist überzeugt, dass sich die Situation mit dem heutigen Umgang mit dem Hirschbestand nicht verbessern wird. Deshalb hat er im Juni die Petition «Wald und Landwirtschaft schützen: Mehr Hirsch-Stiere im Kanton St. Gallen schiessen» lanciert. Am 15. Oktober hat er sie per Post an den St. Galler Kantonsrat geschickt. Insgesamt 439 Unterschriften sind zusammengekommen. Rund drei Viertel dieser Unterschriften stammen aus dem Toggenburg.
Britt kritisiert vor allem die geltenden Abschussregeln. Bevor ein Hirsch-Stier geschossen werden darf, müssen im Kanton St. Gallen zunächst weibliche Hirsche oder Kälber erlegt werden. In 30 bis 40 Jagdrevieren gebe es jedoch keine Hirschkühe. «Dann stehen wir vor einer Herde Stiere und dürfen nicht schiessen», so Britt. Die Folgen würden sich insbesondere im Wald zeigen. Hirsche frässen junge Triebe und schälten die Rinde von Bäumen ab. «Solange es so viele Hirsche hat, ist ein klimafitter Wald nicht möglich», ist Britt überzeugt. «Viele St. Galler Wälder sehen katastrophal aus.» Der gezielte Waldumbau sei jedoch wichtig, damit artenreiche und widerstandsfähige Wälder entstehen könnten. Um die jungen Pflanzen in seinem eigenen Wald vor Wildschäden zu schützen, zäunt Britt diese einzeln ein. Das funktioniere, sei aber mit viel Arbeit verbunden. «Der Kanton übernimmt zwar die Materialkosten, aber nicht die Stunden, die für das Aufstellen und Unterhalten der Zäune nötig sind», erklärt Britt. Eine zielführende Lösung sei das für ihn nicht. Laut Britt interessiere sich der Kanton jedoch nicht für die Probleme: «Ich kann nicht verstehen, dass der Regionalförster Christof Gantner und die Kantonsoberförsterin Caroline Heiri nichts unternehmen.» Andere Kantone gingen das Problem aus seiner Sicht konsequenter an.
Neben dem Wald leide auch die Landwirtschaft unter dem hohen Hirschbestand, sagt Britt. Die Tiere fressen Gras auf Wiesen und Alpweiden, verursachen Trittschäden und verunreinigen die Flächen mit ihrem Kot. Das könne insbesondere dort problematisch sein, wo das Gras später als Futter für Rinder diene. Von Landwirtinnen und Landwirten habe er für sein Anliegen zahlreiche zustimmende Rückmeldungen erhalten. Mit seiner Petition fordert Britt deshalb, dass sich das Amt für Natur, Jagd und Fischerei sowie das Kantonsforstamt dafür einsetzen, jährlich 300 bis 400 Hirsch-Stiere zusätzlich zu schiessen. «Damit soll der Bestand besser reguliert und der Druck auf Wald und Landwirtschaft verringert werden», so Britt.
Als Nächstes wird die Petition von der Rechtspflegekommission des St. Galler Kantonsrats behandelt. Je nach Entscheid kommt das Anliegen später vor den Kantonsrat. «Ich hoffe, dass er Druck auf Gantner und Heiri macht, sodass sie einen zusätzlichen Abschluss von Hirsch-Stieren unterstützen», sagt Britt. Ob die Petition etwas bewirken wird, kann er derzeit nur schwer einschätzen. Gegenüber dem aktuellen Regierungsrat ist er skeptisch. Sollte sein Anliegen nicht im gewünschten Sinn behandelt werden, will er weitere Schritte prüfen. «Ich könnte zum Beispiel das Regionalfernsehen TVO anfragen.» Die Bevölkerung solle sehen können, wie stark die Bäume und Wälder bereits betroffen seien.
Shannon Senn
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