Anna-Catrina Walt
übernimmt neu das Präsidentenamt des Sportvereins Wildhaus - Alt St.Johann.
Seit bald einem halben Jahr ist Regula Kündig als Präsidentin der Ortsgemeinde Lichtensteig tätig. Sie beschreibt ihre Tätigkeit als abwechslungsreich und spannend, da sie die Möglichkeit hat, sich mit ganz unterschiedlichen Projekten zu befassen.
Lichtensteig Mit Regula Kündig ist erstmals eine Frau an der Spitze der Ortsgemeinde Lichtensteig. Für die 58-Jährige, die als Geschäftsführerin von Alzheimer St.Gallen / beider Appenzell tätig ist, war das Geschlecht jedoch nie ein Thema: «Die Frage war für mich nicht, ob ich als Frau dieses Amt übernehmen kann, sondern ob es Freude macht, ob ich die Ressourcen habe und ob ich es mir zutraue», sagt sie. Kündig war zuvor bereits zwei Jahre Mitglied des Ortsbürgerrates, deshalb war es für sie mehr ein Rollenwechsel als ein Neubeginn. Der grösste Unterschied sei die Themenvielfalt: «Vorher war ich in einem Ressort tätig, heute habe ich mit allen Bereichen zu tun.» Das mache es spannend, sei aber auch anspruchsvoll. Die Ortsgemeinde sei wie ein kleines KMU organisiert, bei der es sich aber um eine öffentlich-rechtliche Körperschaft handle, welche dem Gemeindegesetz unterstellt ist, erklärt Kündig. Sie trägt Verantwortung in verschiedenen Feldern, kann dabei aber auf ein eingespieltes Team zählen. Der Rat besteht aktuell aus vier Personen, die sich die Aufgaben gut aufteilen. Zudem unterstützt eine Ratsschreiberin mit einem 30-Prozent-Pensum. «Wir arbeiten super zusammen. Für alle im Rat ist es ein Ehrenamt, und trotzdem spürt man ein grosses Engagement.»
Die Arbeit in der Ortsgemeinde bringt aber auch Herausforderungen mit sich. Der eigene Forstbetrieb ist eine davon: «Der Wald ist ein tolles Produkt direkt vor unserer Haustür, aber die Holzpreise sind seit Jahren tief, während die Maschinen viel kosten.» Für zusätzlichen Ärger sorgt der wiederholte Vandalismus an der Ruine Neutoggenburg. Dort werden immer wieder die gelben Wandertafeln entfernt, die Sitzbänke beschädigt und seit Kurzem auch das Geländer der Treppe zersägt. «Das macht uns sprachlos», sagt Kündig. «Wir fragen uns: Wer macht so etwas – und warum?» Auch die Suche nach neuen Ratsmitgliedern sei nicht einfach: «Wir haben dasselbe Problem wie viele Vereine: Es ist schwierig, Leute für diese Arbeit zu gewinnen.» Umso bemerkenswerter ist das Engagement jener, die sich einbringen. Sie sind hoch motiviert und wirken aktiv an verschiedenen Projekten mit – etwa in der Projektgruppe für den Wärmeverbund in Lichtensteig. Kündig hofft, dass die Ortsgemeinde künftig auch ihre eigenen Liegenschaften mit erneuerbarer Energie heizen kann. «Ideal wäre, wenn wir Holz aus unserem eigenen Forstbetrieb liefern könnten.» Ein weiteres Anliegen ist die Liegenschaft Oberhof. Sie ist bereits über 50 Jahre alt und benötigt früher oder später eine Sanierung – ein Vorhaben, das hohe Kosten nach sich zieht.
«Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde Lichtensteig», betont Kündig. Es finden jährliche Gespräche mit dem Gemeinderat statt und die Ortsgemeinde ist sowohl in der Einbürgerungskommission als auch in der Projektgruppe des Wärmeverbunds vertreten. «Die politische Gemeinde übernimmt im Mandatsverhältnis auch unsere Buchhaltung und hilft uns bei Bedarf unkompliziert aus.» Die Ortsgemeinde legt grossen Wert auf gesellschaftliches Engagement. So unterstützt sie lokale Projekte wie die Jazztage Lichtensteig, die Stiftung Toggenburger Kulturerbe oder die Städtlibibliothek. Darüber hinaus bereitet sie der älteren Bevölkerung eine Freude: So erhalten alle über 80-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner vor Weihnachten Geschenke oder werden zu einem gemeinsamen Essen eingeladen. Auch für die Zukunft gibt es bereits neue Ideen im Bereich Nachhaltigkeit. Kündig schwebt vor, für jedes Neugeborene einen Baum zu pflanzen. «Damit könnten wir den Kindern von Anfang an zeigen: Hier ist eure Heimat.»
Neben ihrem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement sucht Kündig den Ausgleich draussen: Sie wandert und joggt regelmässig. «Ich bin gerne in der Natur. Und ich bin ein Genussmensch – ich habe es gerne schön.» Für die Zukunft verfolgt sie ein klares Ziel: Sie möchte die Ortsgemeinde sichtbarer machen, deren identitätsstiftende Rolle stärken und neue Bürgerinnen und Bürger gewinnen. «Wir übernehmen bedeutende Aufgaben für das Zusammenleben hier in Lichtensteig. Diese sollen auch künftig wahrgenommen und geschätzt werden.» ⋌shs
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